3 häufige Versichertenfragen rund um Corona

Das neuartige Coronavirus wirft die Pläne und das Leben der meisten Menschen derzeit weitgehend
über den Haufen. Damit stellen sich in manchen Bereichen auch Fragen nach Versicherungsschutz.
Insbesondere drei Anliegen tragen Versicherte häufig vor – hier sind die Antworten:

  • Zahlt meine Auslandskrankenversicherung, wenn ich mich mit dem neuen Coronavirus
    infiziert habe?
    Die meisten Versicherungen übernehmen die Kosten der medizinisch notwendigen
    Behandlungen, wenn die Erkrankung nicht schon vor der Abreise ins Ausland vorlag. Klarheit
    verschafft aber nur ein Blick in die Versicherungsbedingungen. Dort ist auch festgelegt, ob
    Aufenthalte in Ländern abgesichert sind, für die eine Reisewarnung besteht, und was bei
    einem Aufenthalt gilt, der zwangsweise länger dauert als eigentlich von der Versicherung
    gedeckt.
  • Übernimmt meine Krankenversicherung die Kosten für einen Coronatest?
    Die Kosten für einen Coronatest werden übernommen, wenn er ärztlich angeordnet wird –
    nicht aber, wenn ein Patient sich ohne Anraten eines Arztes testen lässt.
  • Muss meine Reiserücktrittsversicherung einspringen, wenn ich Angst vor Corona habe?
    Nein, die Angst vor einer Ansteckung zählt nicht zu den abgedeckten Rücktrittsgründen,
    lediglich eine bereits eingetretene Erkrankung oder ein Ereignis wie ein Wohnungsbrand
    oder der Tod eines nahen Angehörigen berechtigen zum Kostenersatz. Die akzeptierten
    Gründe unterscheiden sich von Tarif zu Tarif – allgemein gilt aber, dass der Anlass für die
    Absage der Reise unerwartet aufgetreten sein muss.

Immobilienfonds trotzen der Krise
Während die Kapitalmärkte ebenso wie die Realwirtschaft wegen der Corona-Pandemie ungekannte
Turbulenzen durchlaufen, erfreuen sich offene Immobilienfonds (OIF) bisher großer Stabilität. Ihre
Anleger ziehen laut einem Bericht der Berliner Ratingagentur Scope bislang – anders als
Aktieninvestoren – keine Gelder ab. Vielmehr konnten zahlreiche Fonds bis Mitte März sogar noch
Netto-Mittelzuflüsse vermelden. Lediglich deren geringere Höhe lässt auf eine Krisensituation
schließen.
Der Hauptgrund für diese Stabilität dürfte in der Mindesthaltedauer liegen, die 2013 eingeführt
wurde. Seitdem müssen OIF-Anteile für mindestens zwei Jahre gehalten werden, hinzu kommt eine
Rückgabefrist von einem Jahr. Außerdem dürfte die geringe OIF-Volatilität zur Beruhigung der
Anleger beitragen. Die Liquiditätsquote der deutschen OIF liegt aktuell im Schnitt bei rund 20
Prozent. Trotz dieser gut gefüllten „Kriegskassen“ gehen die Scope-Analysten davon aus, dass sich die
Fondsmanager in der kommenden Zeit mit größeren Transaktionen zurückhalten werden.

„Sabine“ kostet 675 Millionen Euro

Der Wintersturm „Sabine“ sorgte am 9. und 10. Februar für Verkehrschaos auf Straßen und Schienen
sowie für europaweit 14 tödliche Unfälle. Die Meteorologen hatten indes schlimmere Auswirkungen
befürchtet. Von den deutschen Versicherern wurden rund eine halbe Million Schadensfälle an
Häusern, Hausrat und bei Unternehmen reguliert, wie der Versicherer-Gesamtverband (GDV)
mitteilte. Rund 675 Millionen Euro haben die deutschen Sachversicherer ausgezahlt, womit sich
„Sabine“ unter den Stürmen seit 2002 auf Rang sechs einreiht.
Negativ-Spitzenreiter unter den Winterstürmen in Deutschland ist nach wie vor „Kyrill“, der 2007
eine Schadenssumme von 3,3 Milliarden Euro verursachte. Auch „Friederike“ kostete 2018 mit einer
Milliarde Euro deutlich mehr als „Sabine“, ebenso wie „Jeanett“ im Jahr 2002 (1,3 Milliarden Euro).
Relativ gering fiel die Schadenssumme infolge des diesjährigen Orkans auch bei den Kfz-Versicherern
aus: Etwa 40.000 Schäden fielen bei ihnen an, deren Kosten sich auf rund 75 Millionen Euro
summierten.

Sparkassen müssen bei Kündigungsangeboten sauber aufklären

Die in vergangenen Jahrzehnten abgeschlossenen Sparverträge mit ihren hohen Verzinsungen
werden für immer mehr Sparkassen zu einem Klotz am Bein. In der andauernden Niedrigzinsphase
sind nämlich kaum sichere Geldanlagen mit vergleichbar hohen Renditen zu bekommen. Daher
bieten einige Sparkassen ihren Kunden eine – auf den ersten Blick stattliche – Geldsumme an, wenn
diese ihre Verträge kündigen. Im Allgemeinen entgeht den Kunden dabei aber eine deutlich höhere
Summe, die je nach Vertrag durchaus fünfstellig sein kann.
Verbraucherschützer haben daher die Sparkasse Bodensee kürzlich erfolgreich abgemahnt. In
zukünftigen Kündigungsangeboten soll deutlicher erklärt werden, worauf die Kunden im Gegenzug
für die Einmalzahlung verzichten. Bisher wurde diese nicht unerhebliche Information in den
Angebotsschreiben verschwiegen. Dennoch enthielten sie den Bestätigungshinweis, die Kunden
seien eingehend über den Sachverhalt aufgeklärt worden. Die Sparkasse Bodensee hat auf die
Abmahnung hin eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Lebensversicherungen sind plötzlich wieder angesagt

Der klassischen Lebensversicherung wurde seit Beginn der Niedrigzinsphase ein Tod auf Raten
prophezeit, da sie wenig Rendite abwirft. Der sogenannte Garantiezins liegt aktuell bei 0,9 Prozent
und wird voraussichtlich in absehbarer Zeit noch weiter abgesenkt. Dessen ungeachtet vermeldete
der Versicherer-Gesamtverband (GDV) kürzlich Zahlen für das Geschäftsjahr 2019, die das Segment
sehr lebendig und putzmunter erscheinen lassen: Um satte 11,3 Prozent legten die Beiträge auf
102,5 Milliarden Euro zu. Zu verdanken ist das allein dem Einmalbeitragsgeschäft, das um 37 Prozent
wuchs. Versicherungen gegen laufenden Beitrag stagnierten dagegen (–0,1 Prozent).
Offenbar lässt die Angst vor Strafzinsen und der Volatilität der Kapitalmärkte die Anleger wieder die
Vorzüge des Altbewährten entdecken. 2018 hatten die Börsen mit einem dicken Minus
abgeschlossen, was sicherheitsorientierte Investoren erschreckt haben dürfte. Diese akzeptieren
indes immer häufiger – zu mittlerweile über 60 Prozent – modifizierte Garantien anstatt der
herkömmlichen starren 100-Prozent-Zusagen.

Privatanleger verlieren Scheu vor Private Equity

Auf 7 bis 12 Prozent Rendite kommen Private-Equity-Fonds laut dem Bundesverband Alternative
Investments (BAI). Wo so viele Chancen liegen, gibt es naturgemäß auch beträchtliche Risiken. Die
Anleger gehen mit ins unternehmerische Risiko der Zielfirmen und müssen auf deren Pleite gefasst
sein, also auf einen Totalverlust. Zudem bindet man sich mit einem Private-Equity-Investment in der
Regel für zehn oder zwölf Jahre. Ein vorzeitiger Verkauf ist zwar am Zweitmarkt möglich, in der Regel
aber mit schmerzhaften Abschlägen verbunden.
Kaum verwunderlich also, dass Privatanleger bisher weitgehend die Finger von privatem
Beteiligungskapital ließen. Doch das scheint sich in Zeiten von Niedrigzinsen und stark schwankenden
Börsen zu wandeln: 2019 steckten Privatanleger hierzulande 43 Prozent mehr Geld in geschlossene
Publikums-AIFs (alternative Investmentsfonds) als im Vorjahr, wie das Berliner Analysehaus Scope
errechnet hat. Davon entfallen rund 22 Prozent auf das Private-Equity-Segment. Das liegt damit zwar
weit hinter Immobilien (73 Prozent) zurück, bewegt sich aber offenbar aus seinem Nischendasein
heraus.

Bundesrat will Pauschalreisende besser absichern

Im Zuge der Thomas-Cook-Pleite hat sich herausgestellt, dass die deutsche Rechtslage noch Luft nach
oben hat. Denn die von Gesetzes wegen vorgegebene Versicherungssumme von 110 Millionen Euro
deckt nur einen Teil des tatsächlichen Schadens von über 287 Millionen Euro ab – und verringert sich
zudem um die bereits erstatteten Kosten für Rückführungen von Reisenden. Die rund 220.000
Geschädigten in Deutschland hätten somit bloß 17,5 Prozent ihrer Vorauszahlungen zurückerhalten,
wenn der Bund nicht eingesprungen wäre. Bis Juni will er den Geprellten ihren Schaden ausgleichen,
wofür mit Kosten von mehr als 260 Millionen Euro (inklusive Abwicklungs- und Rechtskosten)
gerechnet wird.
Damit so etwas nicht noch mal passiert, will der Bundesrat eine Gesetzesänderung durchsetzen. Zur
Diskussion stehen zwei Modelle: Beim Individualmodell muss jeder Veranstalter seine
vereinnahmten Vorauszahlungen absichern; das alternative Fondsmodell hingegen deckt die ganze
Branche mit einem riesigen Versicherungstopf ab, in den jedes Reiseunternehmen eine
umsatzabhängige Prämie einzahlt. Der gesetzgeberische Ball liegt nun im Feld der Bundesregierung.

Es ist kompliziert: EU kann sich nicht auf Nachhaltigkeits-Standards einigen

Seit Jahren steigt das Interesse der Anleger an nachhaltigen Investments. Der Wildwuchs auf diesem
Markt ist allerdings unüberschaubar, da nahezu jeder Anbieter seine eigenen NachhaltigkeitsKriterien definiert. Sinnvoll erscheint daher das Vorhaben der EU-Kommission, einheitliche Standards
festzulegen. Damit soll einerseits „Greenwashing“ verhindert werden, also ein „grüner Anstrich“ für
Geldanlagen, die eigentlich kaum oder gar nicht nachhaltig sind. Andererseits sollen vergleichbare
Kriterien grenzüberschreitende Investitionen innerhalb Europas erleichtern.
Doch von Einigkeit sind die Europäer weit entfernt. Das Ergebnis der Suche nach Standards ist daher
bisher ein Sammelsurium eher schwammiger Vorgaben. Ein gravierender Streitpunkt bleibt zum
Beispiel die Atomkraft. Bekanntermaßen belastet sie das Klima kaum, weshalb die Franzosen sie als
nachhaltig einordnen. Deutsche oder österreichische nachhaltige Fonds dagegen klammern Kernkraft
in der Regel aus, wegen ihres ungelösten Entsorgungsproblems und der Verstrahlungsrisiken. Ein
Konsens ist nicht in Sicht. Damit bleibt es weiterhin den Anlegern und ihren Beratern überlassen,
genau hinzuschauen und gemäß eigenen Kriterien eine Auswahl zu treffen.